Finalisten 2026
ZKB Pionierpreis Technopark 2026
RTDT Laboratories AG (Zürich)
Gewinner ZKB Pionierpreis Technopark 2026
Preisgeld: 100 000 Franken
RTDT Laboratories
Gegründet: 2022
15 Mitarbeitende
Hauptsitz: Zürich
https://rtdt.ai
Mehr Energieeffizienz dank Sensorpflaster
RTDT Laboratories entwickelt Sensorpflaster für Rotorblätter von Windkraftanlagen. Das System heisst Aerosense und besteht aus bis zu 40 Zentimeter langen, 16 Zentimeter breiten und nur 4 Millimeter dünnen, selbsthaftenden Streifen. Die in diese Pflaster eingebetteten Sensoren erfassen dynamischen Druck, Vibrationen und mechanische Belastungen, denen die Rotorblätter stetig ausgesetzt sind, und liefern so Messdaten direkt aus dem Betrieb.
Die Sensorpflaster sind biegsam, um sich der Form des Blatts anzupassen, und gleichzeitig enorm widerstandsfähig – schliesslich müssen sie mindestens ein Jahr in harschen klimatischen Bedingungen bei Drehgeschwindigkeiten von gut 300 Kilometer pro Stunde unterbruchlos funktionieren. Integrierte Photovoltaikzellen liefern den Strom, die Daten werden drahtlos an ein Gateway oben am Turm übertragen und von dort in die Cloud geladen, wo ein digitaler Zwilling des Rotorblatts entsteht. Die permanente Übertragung grosser Datenmengen vom Rotor zum Gateway erfordert unter diesen Konditionen eine fehlertolerante Verbindung. RTDT musste dazu die verwendete Bluetooth-Firmware anpassen.
Die Fachleute von Anlagenherstellern und -betreibern können die Rohdaten direkt mit Strömungssimulationen abgleichen, Druckverteilungen präzise bewerten und sowohl Blattgeometrie als auch Regelungsalgorithmen gezielt weiterentwickeln. Entsprechende Projekte mit Windenergiefirmen sind im Gange. Das Geschäftsmodell des ETH-Spin-offs kombiniert Hardwareverkauf mit einem jährlichen Abonnement für Daten und Analysesoftware.
Die industrielle Produktion der Hardware wird zurzeit getestet. Läuft alles wie geplant, gehört die manuelle Montage der Sensoren im Büro der Vergangenheit an; die vollautomatische Fertigung durch einen Schweizer Partner soll die Herstellungskosten um über 70 Prozent senken. Zwei Patente für Hard- und Software sind erteilt, zwei weitere angemeldet, darunter eines für die biegsame Sensorhülle. Auch der nächste Schritt ist geplant: die automatische Rückkopplung der Analyseergebnisse ins Maschinensteuerungssystem ohne Interaktion von Fachleuten. Zudem zeichnen sich mit Windtunnelanwendungen und modernen, rigiden Jachtsegeln neue Geschäftsfelder ab.
«Mit dem Preisgeld können wir den Entwickler der Software zur Steuerungsoptimierung ein weiteres Jahr finanzieren», freut sich RTDTs CEO Imad Abdallah. Ebenso wichtig sind ihm die immateriellen Werte: «Ich war letztes Jahr zum ersten Mal an der Verleihung des Pionierpreises und konnte sehen, welche Reputation der Sieg dem Preisträger verleiht.»
«Die Effizienz von Windkraftanlagen ist ein zentraler Hebel der Energiewende. RTDT überzeugt mit einer technologisch führenden Lösung, die Sensorik, KI-gestützte Analyse und Steuerung intelligent verbindet und damit sowohl Wirtschaftlichkeit als auch Lebensdauer der Anlagen signifikant verbessert. Von der visionären Grundidee über das anspruchsvolle Engineering markiert die Lösung eine technologische Pionierleistung.» — Lothar Thiele, Juryvorsitz
GlycoEra AG (Zürich)
Runner-up
Preisgeld: 10 000 Franken
GlycoEra
Gegründet: 2020
32 Mitarbeitende
Hauptsitz: Wädenswil (ZH)
www.glycoera.com
Zucker gegen Autoimmunkrankheit
GlycoEra geht einen neuen Weg im Kampf gegen Autoimmunkrankheiten. Das Biotech-Start-up entwickelt neuartige Biologika mit einem Wirkmechanismus, der schädliche Bausteine über die Leber natürlich abbaut. GlycoEra hat dafür einen sogenannten Protein-Degrader entwickelt, der von genetisch modifizierten Einzellern produziert wird: ein biologisches Molekül, das krank machende Proteine – insbesondere Autoantikörper – aus dem Blutkreislauf entfernt.
Ein Ende des Moleküls bindet das Zielprotein, das andere trägt eine präzise definierte Zuckerstruktur, die einen Rezeptor auf Leberzellen aktiviert. So wird das krank machende Protein zusammen mit zellfremdem Material auf natürlichem Weg abgebaut. Nur der exakt richtige Zucker im Degrader aktiviert den Abbauprozess.
Herkömmliche Therapien wirken breit und unterdrücken das Immunsystem komplett. GlycoEra degradiert das schädliche Zielprotein selektiv, ohne das restliche Immunsystem zu beeinträchtigen, was eine Behandlung in früheren Krankheitsstadien ermöglicht. In Tests konnten die Zielproteine in wenigen Stunden um über 90 Prozent reduziert werden.
Derzeit laufen die Vorbereitungen für die klinische Phase 1. Die Resultate daraus werden für 2027 erwartet. Im Mai 2025 schloss GlycoEra eine Finanzierungsrunde von 130 Millionen Dollar ab.
«Die Auszeichnung ist eine schöne Anerkennung für die Leistung unserer Mitarbeitenden», sagt Manuela Mally, VP Technology von GlycoEra. «Das Team hat es mehr als verdient.»
«Autoimmunerkrankungen zählen nach wie vor zu den weit verbreiteten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. Das Unternehmen GlycoEra beschreitet hier mit dem selektiven Abbau der krankheitsauslösenden Autoantikörper einen neuen Weg und leistet mit diesem umgesetzten Adapter-Prinzip Pionierarbeit, die für viele Krankheitsbilder genutzt werden kann.» — Andreas Plückthun, Professor Biochemie an der Universität Zürich und Jurymitglied
roboa AG (Zürich)
Runner-up
Preisgeld: 10 000 Franken
roboa
Gegründet: 2025
12 Mitarbeitende
Hauptsitz: Zürich
www.roboa.ch
Eine Robotschlange auf engen Pfaden
Roboa hat einen Roboter entwickelt, der auch enge, sonst unzugängliche Bereiche erreicht. Die Idee entstand als Search-and-Rescue-Projekt an der ETH Zürich. Heute konzentriert sich roboa auf die Inspektion von Rohranlagen sowie die Verlegung von Glasfaser.
Das Grundprinzip: Ein Schlauch stülpt sich mittels Luftdruck kontinuierlich nach vorne aus, schlängelt sich durch enge Kurven und überwindet Hindernisse, ohne Reibung mit der Umgebung zu verursachen – selbst über Distanzen von bis zu 200 Metern.
Eine kompakte Basisstation am Rohreintritt enthält Schlauch und Steuereinheit. Am vorderen Ende des Schlauchs sitzt ein austauschbarer Kopf, der je nach Aufgabe mit Kameras und Sensoren bestückt wird. Für die Kabelverlegung kann der Kopf entfallen. Der Schlauchdurchmesser lässt sich im Bereich von 20 bis 100 Millimeter variieren; die Datenverbindung zwischen Kopf und Basis erfolgt per Funk oder Kabel.
Der Roboter des Start-ups befindet sich in der Pilotphase, ist bei Infrastrukturbetreibern und Serviceanbietern im Einsatz und generiert bereits Umsatz. Als nächste Schritte stehen Teamausbau auf rund 15 Personen, Aufbau einer eigenen Produktion in der Schweiz sowie der Übergang in die kommerzielle Phase an.
«Das Preisgeld werden wir in den Produktionsaufbau und die Weiterentwicklung unseres Schlauchmaterials investieren», sagt CEO Alexander Kübler.
«Roboa adressiert einen konkreten industriellen Bedarf mit einer technisch eleganten Lösung, und zwar vom Stoff bis zur Steuerung. Die Kombination aus Skalierbarkeit, Praxistauglichkeit und klar definierten Anwendungsfeldern hat uns besonders überzeugt.» — Michelle Tschumi, Jurymitglied und Leiterin Start-up Finance bei der Zürcher Kantonalbank
CCRAFT SA (Neuchâtel)
Unter den Top 5 – Gewinner Publikumspreis
Preisgeld: 5’000 Franken
CCRAFT
Gegründet: 2025
10 Mitarbeitende
Hauptsitz: Neuenburg
www.ccraft.com
Chips aus Lithiumniobat
CCRAFT produziert neuartige Chips aus Dünnfilm-Lithiumniobat (TFLN): einem Kristall, der elektrische Signale mit aussergewöhnlicher Geschwindigkeit in Licht umwandelt. Wo Silizium an physikalische Grenzen stösst, ermöglichen TFLN-Chips Datenraten von über 400 Gbit/s bei geringerem Stromverbrauch – ideal für Rechenzentren, KI-Infrastruktur, 6G-Netze und Quantum-Computing.
Das Spin-Out aus dem CSEM, einem Technologie-Innovationszentrum in Neuenburg, baut auf sieben Jahren Forschung und über zehn Millionen Franken Forschungsinvestitionen auf. Die Verarbeitung von TFLN ist technisch anspruchsvoll: Der Aufbau eines Chips erfordert mehr als zehn Fertigungsschritte, jeder mit eigenen Herausforderungen. Genau dieses Prozess-Know-how ist das Alleinstellungsmerkmal von CCRAFT gegenüber Mitbewerbern.
Zurzeit finanziert sich CCRAFT über Grants, kantonale Mittel und erste Umsätze. Eine Seed-Finanzierungsrunde zur Unterstützung der nächsten Wachstumsschritte ist in Vorbereitung. Ab 2027 will das Unternehmen nämlich die Produktion auf eigenen Anlagen in der Neuenburger Region aufnehmen – mit vollständiger Kontrolle über den gesamten Fertigungsprozess.
«Unter die Top 5 beim gekommen zu sein, verleiht uns Glaubwürdigkeit bei Experten aus Technologie, Finanzen und dem Schweizer Deep-Tech-Ökosystem. Das ist mehr wert als Geld», sagt Hamed Sattari, CEO von CCRAFT.
Unbound Potential AG (Zürich)
Unter den Top 5
Unbound Potential
Gegründet: 2023
23 Mitarbeitende
Hauptsitz: Thalwil (ZH)
www.unbound-potential.com
Flussbatterien ohne Membran
Zur Zwischenspeicherung von Energie aus Solaranlagen und Windparks wird eine skalierbare, sichere und kostengünstige Speichertechnologie benötigt. Eine Lösung sind Flussbatterien, stationäre Stromspeicher, die Energie in zwei unterschiedlichen flüssigen Elektrolyten speichern. Um die beiden Flüssigkeiten in der Batteriezelle zu trennen, wird bisher eine aufwändig hergestellte und kostenintensiv produzierte, fragile Membran benötigt.
Die Technologie von Unbound Potential macht diese Membran überflüssig. Stattdessen verwendet das ETH-Spin-off zwei nicht mischbare Elektrolyte, die wie Wasser und Öl eine natürliche Grenzfläche bilden. Die Batterie ist nicht entflammbar und kommt ohne kritische Rohstoffe aus. Sie erreicht einen Wirkungsgrad von bis zu 85 Prozent und ist auf 20 000 Zyklen ausgelegt. Ausserdem entkoppelt sie Leistung von Kapazität, was eine Langzeitspeicherung von über acht Stunden ermöglicht.
Für 2026 sind Installationen bei einem potenziellen Kunden und am eigenen Standort als Benchmark geplant. Primärer Markt sind KI-Rechenzentren: Bis Ende des Jahres sollen mindestens zwei Pioniervereinbarungen mit deren Betreibern unterzeichnet werden. Die Gesamtfinanzierung beläuft sich auf 14,4 Millionen Euro. Die Pre-Seed-Runde wurde Ende 2025 abgeschlossen. Die nächste Finanzierungsrunde ist für die erste Hälfte 2027 vorgesehen.
«Teil der Top 5 zu sein, ist eine öffentliche Anerkennung und Validierung unserer Technology, unseres Potenzials und auch unserer Strategie durch eine kompetente Fachjury», erklärt Co-Founder und CFO Emilio Dal Re.